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Die Fenster |
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| Foto: Sandro Siebke |
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von Ingrid Frank
Inge-Rose Lippok
„Fenster, das bedeutet erst einmal Licht für mich. Ich mag keine Gardinen, weil das Licht dadurch nicht reinfallen kann. Fenster sind Öffnungen nach außen – das kann auch Gefahr bedeuten. Fenster sind Luft. Wenn Fenster verschlossen sind, wird der Raum zum Gefängnis. Eigentlich geht alles, was wichtig ist zwischen Außen- und Innenraum über das Fenster. Das Schlimmste ist das Grab, wo keine Fenster drin sind.“
„Kirchenfenster in der ursprünglichen Form sind benutzt worden, um etwas deutlich zu machen, nämlich den Geist der jeweiligen Zeit, des Glaubens hineinzubringen, nicht nur um Licht hinein scheinen zu lassen."
"Kirchenfenster sind verbunden mit dem Blick ins Jenseits, in den geistigen Raum, zum Himmel, wenn man dem einen Namen geben will: Das was hinter dem Sichtbaren steht. Das ist eigentlich für mich das, was Kirchenfenster ausmacht.“
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| Foto: Sandro Siebke |
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„Dass meine Fenster zu schweben scheinen, das war eine technische Herausforderung. Ich dachte, diese Fenster darf man nicht verschließen, weil man damit den Charakter des Denkmals zerstören würde. Diese offenen Fenster, das sind Wunden, die der Krieg geschlagen hat, und diese Wunden würde man zukleistern, wenn man die Fenster bis an die Grenzen, bis an die Brüstungen bringen würde. D.h. ich wollte, dass die Fenster behüten können, abschließen können von außen, von der bösen Welt. Aber andererseits sollten sie nicht verschließen, weil dieses Denkmal ja von dem Gedanken an die Zerstörung lebt. Den Rest der zerstörten Wände muss man sich denken und fühlen, um sich geborgen zu fühlen. Man kann sich ja nicht im halboffenen, im zugigen Raum geborgen fühlen. Mir war klar, das Fenster darf nicht ausfüllen, es muss den Blick wie nach oben auch nach außen, durch die Fenster offen lassen.“
Tatjana Prelevic (Komponistin)
„Mich hat die Verbindung von außen und innen seit meiner Kindheit beschäftigt. Ich finde den Kontakt mit sich selbst wichtig. In dieser Kirche findet er auf faszinierende Weise statt, auch durch das Licht. Die Assoziation durch Licht von außen, von innen, von oben. Der Fluss, die Brücke, die da entsteht, erinnert mich an die Suche, die sehr oft in mir selbst stattfindet. Ich glaube, was man hier besonders finden kann, ist dieses In-sichselbstgehen. Wir versuchen schon alle, von uns selbst zu sprechen und in uns zu gehen, aber wie tief? Manchmal sind unsere Türen zu. Ich finde in diesem Raum mit Inge-Rose Lippoks Objekten, dass da Türen aufgehen. Das ist unglaublich. Ich merke, dass ich da zu einem Punkt komme, der eine tiefe geistige Ebene ermöglichen kann.“
Hans Walter Dannowski (Stadtsuperintendent i.R.)
„Im Offenen ist meine Fantasie herausfordert. Das spielt in die Gestaltung der Fenster hinein. Diese Fensterhöhlen, die ernüchternd und kahl wirken, wie wenn in den Fenstern das Grauen wohnt. Das ist auch ein wichtiges Element, sich dem Grauen stellen. Jetzt ist es auf Zeit einmal ausfantasiert in eine bestimmte Richtung, und das ist eine Richtung, die den Kirchen wiederum sehr nahe liegt, die mittelalterlichen Fenster, die mit dem Licht und mit den Farben spielen. So kommt durch die Fenster das kirchliche Element wieder stärker hinein. Auf Dauer wäre das eine sehr starke Festlegung, peripher, auf Zeit gesetzt ist es richtig. Die gesamte Lichtmetaphorik ist auf einmal wieder da – all das, was Theologen, Architekten, Künstler über Licht gedacht haben, auszuexperimentieren versucht haben, das ist wieder Realität für kurze Zeit.“
Jan Hellwig (Musiker)
„Die Fenster setzen keinen Kontrapunkt, auch verschmelzen wäre ein falsches Wort. Es sind Fragmente, die ergänzt werden müssen. Man muss die Rahmen ergänzen und vielleicht den Moment des Schmelzens der Gläser beschreiben, als diese Kirche brannte. Das ermöglicht mir, diesen Moment auf eine andere Weise wieder wahrzunehmen und dann zu sehen, dass die Schöpfung, die Herstellung dieses Momentes eine Herausforderung ist. Wir könnten sehen, wie das Ganze zeitlupenartig wieder zurückwächst, in umgekehrte Richtung, als Wunsch, die Geschichte ungeschehen zu machen.“
Kinder, Grundschule Mengendamm Hannover
Vincent, 10 Jahre
„Mit richtigen Fenstern drin würde mir die Kirche nicht mehr wie ein Mahnmal vorkommen, dann würde ich denken, das Dach wurde extra abgemacht. Ich glaube auch, wenn die Scheiben jetzt noch da wären, dann würde das gar nicht mehr so alt wirken.“
Matthias, 9 Jahre
„Das sind keine geraden und einfarbigen Fenster, sondern sie sind eher kaputt und durcheinander, das erinnert an den Krieg.“
Hannes, 9 Jahre
„Die Farben außer Rot sind alle ganz fröhlich. Trotzdem sind die Fenster nicht fröhlich. Wenn die fröhlich wären, wären sie rund und nicht eckig.“
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