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Inge-Rose Lippok
„Die Kirche ist ein Mahnmal. Was die Aufgabe der Kunst, die Möglichkeit der Kunst dabei ist, darüber denke ich, spalten sich die Ansichten der Künstler. Die Einen denken, man müsste politisch sein, um überhaupt eine Berechtigung als Künstler zu haben. Wenn man nicht die großen Geschehnisse oder die unglücklichen Geschehnisse kritisch verarbeitet oder kommentiert, hätte man keine Berechtigung. Die Anderen sagen, weil das Leben schlechthin eben so dramatisch ist, müsste man etwas dagegen setzen, um die Fantasie im Guten anzuregen. Etwas, aus dem man Kräfte schöpfen kann. Kann man nur aus Unglück Kräfte schöpfen? Braucht man dazu nicht etwas Anderes, das Gegenstück? Es ist so: Ich habe immer Angst davor gehabt, politisch zu sein, weil ich Angst habe, dass ich weder mich selber finde noch irgendwelche Antworten. Also es ist unmöglich, mich selber zu bewältigen, wenn ich mich einer Situation gegenüber ohnmächtig fühle. Die Kunst ist ohnmächtig. Ich denke, das ist eine Entscheidung, die man selbst treffen muss, je nach dem, wie viele Kräfte man in sich spürt. Wenn ich die Kraft in mir spüre, dass ich die Welt verändern kann, dann ist das wunderbar. Ich bewundere das. Ich kann das nur in kleinen Schritten machen, indem ich meine eigene kleine Welt baue. Das sollte man beides akzeptieren. Es kann nicht jeder der Revolutionär sein.“ „Bezogen auf die Einleuchtungen denke ich, dass ich nicht unpolitisch denke. Ich würde das aber nicht nach außen, im Großen verteidigen können. Ich würde es auch immer dem Betrachter überlassen wollen, ob er da etwas für sich spürt oder nichts spürt. Ich möchte da keine statements abgeben, für mich. Wenn es nach außen eine Wirkung hat, bin ich sehr froh darüber. In dem Fall ist es ja tatsächlich eine Auseinandersetzung mit dem Mahnmal, das hat schon eine politische Ebene: Es würde mich freuen, wenn es der eine oder andere Betrachter sieht. Aber ich würde nicht darauf bestehen.“
„Das ist gut, dass hier erinnert wird. Die Kinder fragen ja, ‚warum ist sie nicht wieder aufgebaut, warum macht man nicht wieder eine Kirche davon?‘ Und dann erklären die Lehrer das richtig. Es ist gut, dass es das so gibt. Man sollte den Weltkrieg nicht unterbuttern. Hier werden ja alle Toten und Gefallenen mit erinnert, das sollte auch den Kindern immer wieder nahe gebracht werden. Wenn die wieder in Vergessenheit kommen, ist das nicht gut. Das ist, wie wenn die Radikalen hier demonstrieren. Wenn da keiner gegen angeht, werden die irgendwann wieder riesig groß. Die braune Gefahr ist noch nicht vom Tisch. Es gibt immer noch einige, die meinen, sie könnten so Deutschland regieren. Das muss den Kindern auch immer wieder nahe gebracht werden. Die verstehen das oft besser als die Erwachsenen meinen. Sie sind ja wissbegierig und fassen viel auf. Wenn sie erst größer sind, sind sie vielleicht selbst schon in so einer Partei drin. Das weiß man ja alles nicht.“
Tatjana Prelevic (Komponistin)
Jan Hellwig (Musiker) „Hannover hat einen Schatz mit dem Mahnmal Aegidienkirche! Ein ganz kurzer Vergleich: Man fährt nach Italien, sagen wir nach Rom. Rom lebt als Stadt davon, dass man mit jedem Schritt einem Fragment der Geschichte begegnet. Wir haben das Pech, dass wir einerseits Bomber Harris hatten, der Dresden bombardiert hat und natürlich auch Hildesheim in der Nähe und eben Hannover. Und andererseits wird in Hannover weiter zerstört. Jetzt wird die alte Brauerei neben dem Ihmezentrum abgerissen. Damit nimmt man sich eine Chance. Hier in der Aegidienkirche kann man 800 Jahre zurückreisen. Warum wird so ein Objekt, so eine über 100 Jahre alte Brauerei, warum wird die nicht erhalten? Denn für dieses Gefühl: ‚Da war doch etwas vor mir‘. Und diese Frage: ‚Was war da los?‘ Dafür brauchen wir doch historische Gebäude, historische Gegenstände. Antiquitäten sind Katalysatoren für die Frage: ‚Wie war der Umgang mit dem Gegenstand?‘ Wenn man sich etwas aufhebt, z.B. wenn jemand eine alte Uhr vererbt und man um ihre Geschichte weiß, das ist wie ein Gebet. Ja, ohne das überbewerten zu wollen, es hat etwas von einem Gebet, mit dem ich zu der unendlichen Vergangenheit meines eigenen Lebens Verbindung aufnehmen kann. Die Uhr, die mir vererbt wurde, erzählt mir in dem Moment, wo ich sie wieder aufziehe, die Geschichte von dem Geräusch, das nicht so weit entfernt ist von dem Geräusch, das mein Großvater gehört hat.“
Helmut Selch (Zeitzeuge)
Vincent, 10 Jahre „Das soll ein Mahnmal sein und uns erinnern, dass wir vorsichtig sein sollen, dass wir keinen Krieg und so was machen. Was ich nicht verstehe, warum die das Efeu und sowas hier wachsen lassen ... Und warum die nur den Turm wieder aufgebaut haben.“
Matthias, 9 Jahre
Hannes, 9 Jahre |
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