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Inspirationen |
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| Foto: Jan Hellwig |
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von Ingrid Frank
Musikalische Inspirationen
Jan Hellwig (Musiker)
„1241 war Grundsteinlegung, die Kirche ist die älteste Kirche Hannovers, und wenn man im Rathaus ist und die Pläne von Hannover sieht und weiß, wie flach das Land um Hannover ist, dann weiß man: Dieses Haus muss man von weit her gesehen haben – bis 1943.“
„So ist die Idee entstanden, diesen Raum mit Klängen zu füllen, die die Zeit von 1241 bis heute wiedergeben. Was mich daran fasziniert, ist, dass viele dieser Klänge heute zwar stattfinden: alte Musik, Konsortien, neue Musikgruppierungen usw., aber gewissermaßen ghettoisiert. Die Menschen schaffen sich ihre eigenen, abgeschlossenen Musikräume. Ich finde, dass man das aufbrechen sollte und dass jemand, der normalerweise nicht Blockflöte hört, sich einmal damit auseinandersetzen sollte. Es ist ein Teil unserer Kulturgeschichte, es ist ein Teil unseres Instrumentariums. Die Flöte als solches und die Schallmei waren ja archaische Ausdrucksinstrumente, mit denen man Liebe, Tod, Freundschaft besungen und bespielt hatte. Und so entstand die Idee, die Zeitreise zu machen.“
Tatjana Prelevic (Komponistin)
„Ich hatte es schon gesagt: Manchmal versuchen wir, von uns selbst zu sprechen, aber unsere Türen sind zu. In diesem Raum mit seinen Objekten fühle ich, wie die Türen aufgehen. Das ist unglaublich. Deswegen habe ich dafür eine musikalische Form gefunden, diese alte Form: den Kanon. Man versteht immer unter Kanon „Bruder Jakob“. Kanon ist aber eine komplizierte Form, das ist ein komplexes Gebilde, eine komplexe Struktur, wie mathematische Spiele. Diese Form verwende ich und komme zu einem Punkt, der eine tiefe geistige Ebene ermöglichen kann.“
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| Foto: Sandro Siebke |
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Glaubensinspirationen
Inge-Rose Lippok
„Der Altarraum soll ein Hoffnungszeichen sein. Dass das Kreuz, egal ob es verletzt ist oder nicht, sich durchsetzt. Es schwebt nach oben, auch wenn es gebrochen ist, wenn seine Seiten, seine Flügel gebrochen sind, es setzt sich durch in dieser Symbolik.“
„Das Kreuz ist für mich das christliche Symbol. Ich hätte auch irgendeine Form nehmen können, die sich auflöst, zerstört wird, wie der Vogel mit den zerbrochenen Flügeln. Das Kreuz ist für mich das direkteste Symbol, das christliche Symbol schlechthin. Ich habe es bewusst gewählt. Ich wollte es verdeutlichen. Ich habe ganz eindeutig eine christliche Stellungnahme bezogen. Ich sehe mich als Christin und hatte auch am Anfang überlegt, ob ich das so deutlich machen möchte, oder ob ich das nicht möchte, ob man das nicht eher politisch umsetzen kann? Ich habe mich dann so dazu entschlossen, das war allerdings ein Schritt. Ich habe mehrere Serien zu diesen Kreuzen gemacht, also Kreuz als Spiegel oder die Kreuzform als solche, weil ich sie für mich schon sehr herausfordernd finde, gerade in dieser Zeit, wo das Thema Kirche, Religion sehr zwiespältig ist.“
„Mein Interesse an der Kreuzform ist das Interesse an ihrer vertikalen und horizontalen Störung – die Konzentration ist in der Mitte. Da ist das Zentrum, wo sich etwas entwickeln kann: es gibt ein Zentrum, wo das eine das andere stört. Man darf das Kreuz eigentlich nicht mehr benutzen, ohne dass man wirklich Stellung bezieht. Es ist eine Aussage, die sehr persönlich ist, wenn man sich positiv dazu äußert – negativ nicht. Insofern habe ich da für mich selber ein Bekenntnis abgegeben, in dem ich das Kreuz gewählt habe. Als Künstlerin habe ich etwas zum Thema Glauben gesagt. Mit vielen anderen Bildern habe ich das auch getan, so mit allen, die sich mit dem Kreuzthema beschäftigt haben. Ich habe Hoffnung, das steht dahinter, das ist meine Vision. Ich persönlich kann ohne Hoffnung nicht leben. Wenn ich glauben würde, dass die Welt nur so ist, wie sie ist, ohne dass ich wenigstens die Idee von etwas Besserem hätte, dann wäre ich lebensunfähig. Ich könnte keine Stunde weiterleben ohne die Hoffnung, dass man wenigstens in eine positivere Richtung denken kann. Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben.“
Jan Hellwig (Musiker)
„Was den Raum betrifft, ist es doch so, dass man Nähe und Distanz selbst wählt. Wenn ich in den Raum rein gehe, muss ich damit rechnen, dass ich konfrontiert werde mit Werten, die einen christlichen Hintergrund haben. Darf ich da ein Gebet erwarten oder nicht? Das ist heute eine Frage. Ist das schon ein Überstülpen bei einer Kunstveranstaltung oder nicht? Ist es eine Kunstausstellung oder eine Kirche oder ein Mahnmal? Es gibt Menschen, die sich komplett distanzieren von Religiosität und sich rein intellektuell ausrichten mit einer sogenannten Objektivität, was auch immer das bedeutet. Auf diesem Hintergrund ist es wichtig, dass man im Wechsel zwischen den Wahrheiten einen Freiraum gibt. Eine Stimmung zu erzeugen, die diesen Freiraum gibt, diese Begegnung unterschiedlicher Wahrheiten, das finde ich interessant. Aufgrund der Komplexität kann es hier schnell zu einem Konflikt kommen. Das ist nicht gut, aber es wird immer so sein. Schon innerhalb eines Kulturkreises kann es zu Konflikten kommen, das ist eine sensible Grenze. Aber ich glaube: wenn die Mitwirkenden, die Künstler, wirklich authentisch sind, dann spürt man das. Wer sich grundsätzlich mit Spiritualität beschäftigt und weiß, was es für Menschen gibt, die einen Weg gegangen sind, der spürt das. Ich finde das faszinierend, dass es diese Menschen gibt, die diesen Weg gegangen sind, dass sie einen Weg gegangen sind, deshalb haben sie eine Aura, sie haben eine Ausstrahlung. Wenn ich sie sehe, sehe ich, dass in ihren Augen eine Tiefe ist und keine Oberflächlichkeit. Lebenserfahrung – ich glaube, dass Lebenserfahrung immer spirituell ist.“
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| Foto: Sandro Siebke |
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„Es gibt Leute, die sich sagen: ich vertraue mich Jesus an, das ist mein Weg. Ich kann nur sagen: es gibt eine Menge Menschen, die damit keinen Schaden anrichten. Diese ganz ursprüngliche, ungefilterte Botschaft von Jesus ist ja ein wunderbarer Weg. Da ist jemand einen Weg gegangen. Diesem Weg nachzuspüren, nachzufolgen, das ist eine interessante Herausforderung mit all den Ecken und Kanten, die uns widersprüchlich erscheinen.“
Tatjana Prelevic (Komponistin)
„Diese Kirche zusammen mit den Fenstern, das ist ein Symbol, das nach Innen führt. Gespräche darüber führen wir zu wenig. Und dass ich hier Kreuze angedeutet finde, erinnert mich an einen tollen Aufsatz von Hartmut Lange über Kunst. Er spricht über Kreuzigung. Er spricht von Kierkegaard. Er sagt, wenn man ein Kind z.B. gar nicht vorbereitet, wer Jesus ist, und man zeigt Jesus, Napoleon und Hitler – man würde alle drei erklären, wer das ist, wer das, wer das. Bei Jesus würde man vielleicht sagen, das ist der liebevollste Mensch, der jemals auf der Erde war. Und das Kind würde fragen: ‚Aber wer hat ihm das angetan?‘ Das ist es: Diese Kreuzigung ist das Transzendentale, was ich hier finde. Dass wir in unserer Religion die Geschichte mit Jesus haben, das ist unsere Verbindung von Innen und Außen. Dass wir Jesus gekreuzigt haben, das ist unser Dilemma. Das: ‚Was machen wir?‘ ‚Wo ist der Weg?‘ Es ist das Allerleichteste, einfach zu zerstören, was wir als Wert empfinden. Es ist leichter, als daran zu arbeiten. Hier, wenn ich diese Plastiken sehe, spricht mich das an. Es ist eine Art zu begreifen. Die Türen öffnen sich, um darüber nachzudenken - es ist eine Form von Weg. Ich empfinde hier großes Licht. Ganz großes positives Licht.“
Helmut Selch (Zeitzeuge)
„Leben möchte ich, nicht immer an das Schwere erinnert werden. Es ist ein Stück meines Lebens, aber ich habe auch viel Anderes erlebt. Das ist sicherlich ein Stück Naturell, das ich von meiner Mutter mitgekriegt habe. Unangenehme Erinnerungen stelle ich nach Möglichkeit in die Ecke. Die Seele tut das ja auch. Das ist Selbstschutz. Der Glaube spielt dabei sicher eine Rolle bei mir. Ich kann nicht immer, wenn ich eine Scheibe Brot esse, denken, wie sehr ich gehungert habe.“
„Mein Glaube setzt da an, wo man nicht fragt, wie Gott das zulassen kann. Ich frage vielmehr, wie Menschen so was zulassen können. Es sind immer wir, die als Gottes Handlanger tätig werden oder als Handlanger des Teufels. Wenn ich vom Teufel spreche, dann meine ich nicht den Herrn mit dem Boxfuß, sondern das, was man an schlechten niederdrückenden Gedanken hat, an Gedanken, die zur Zerstörung führen und nicht zum Aufbau. Für mich ist entscheidend, dass wir aufbauen.“
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